Motivation

Der Zweckverband Sächsisches Industriemuseum vereint unter einem Dach vier museale Einrichtungen, die an verschiedenen Orten im Freistaat Sachsen angesiedelt sind. Allen gemeinsam ist das Ziel, bedeutende Industriedenkmale und die Industriegeschichte und -kultur des Landes zu bewahren, zu fördern und museal zu präsentieren. Zu diesem Zweck wurde mit Unterstützung des Freistaates Sachsen 1998 ein dezentraler Museumsverbund gegründet. Neben dem Industriemuseum Chemnitz zählen zum Zweckverband die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau, das Besucherbergwerk & Zinngrube Ehrenfriedersdorf und die Energiefabrik in Knappenrode.

Das Industriemuseum Chemnitz ist ein lebendiges Museum. Neben den „betagten“ Maschinen werden auch die der jüngeren Generation in ihrer Funktion vorgeführt. Zu den Highlights gehören die transmissionsgetriebene Werkstatt ebenso wie eine Dampfmaschine der Maschinenfabrik Germania, vorm. J. S. Schwalbe & Sohn aus dem Jahr 1896 und modernste CNC-Werkzeugsteuerungssysteme. Bei den Textilmaschinen reicht die Spannbreite vom handgetriebenen Wagenspinner um 1830 bis zur Ringspinnmaschine aus den 1970er Jahren. Zusätzlich zu den Exponaten, die das Museumspersonal in Aktion zeigt, haben die Besucher die Möglichkeit, mittels Hands-On selbst tätig zu werden, sei es an historischen Schreibmaschinen oder Telefonanlagen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in den für lange Zeit wichtigsten Bereich der sächsischen Wirtschaft, der Textilindustrie. Eine solche Anzahl voll funktionsfähiger Textilmaschinen, die zum Teil noch aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, findet sich kaum an einem anderen Ort in Sachsen. Im Jahr 2005 erhielt das Industriemuseum Chemnitz als erstes Museum in Sachsen den Europäischen Museumspreis.

Für die Schauplatzausstellung „MaschinenBoom“ wird eine „alte“ Rundstrickmaschine mit moderner Technik nachgerüstet, um die Möglichkeiten des Retrofits aufzuzeigen. Zum einen soll die traditionelle Technik sichtbar und nachvollziehbar sein, zum anderen soll aufgezeigt werden welche Vorteile und Unterstützungsmöglichkeiten die Digitalisierung im Produktionsumfeld bieten kann.

Zielstellung

Im Umsetzungsprojekt mit dem Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Chemnitz mit Unterstützung des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Textil vernetzt vom Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V. (STFI) soll eine Rundstrickmaschine vollautomatisch ohne Vorführer betrieben werden können. Dazu wird ein Startknopf an die Maschine angebracht, woraufhin diese ca. eine Minute laufen und produzieren soll. Nach Ablauf der Zeit schaltet sich die Maschine selbstständig ab. Zusätzlich zur Steuerung der Maschine sollen Daten über die produzierte Menge, Spulengewicht, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Rundenzahl bei den Nadeln und die Dauer einer Socke angezeigt werden. Diese Werte werden auf einem Dashboard an der Maschine visualisiert. Um eine autarke Vorführung der Maschine zu ermöglichen, muss diese zusätzlich überwacht werden. Dies betrifft insbesondere die sichere Abschaltung der Maschine bei Fadenbruch mit einer entsprechenden Meldung auf einem Dashboard.

Vorgehen

Die Herausforderung ist die Auswahl geeigneter Bereiche für einen Retrofit (bspw. Fadenbruchüberwachung, Ausbringung der Maschine etc.) als auch die Auswahl geeigneter Sensoren, Kommunikations- und Datenverarbeitungsgeräten. Zur Überwachung eines fehlerfreien Betriebs der Maschine während der Ausstellung sollen an der Maschine zusätzliche folgende Komponenten angebracht werden: Fadenbruchsensor (Bspw. Lichtschranke), Aktor zur mechanischen Entkopplung des Antriebs (Servoantrieb mit Mechanik), 16A Leistungsschalter für den Motor. Die Auswahl der sinnvollen Retrofit Komponenten wird durch einen Arbeitskreis aus der Textilindustrie unterstützt. Die Koordination des Projektes erfolgt über das Industriemuseum.

 Konsortialpartner

TU Chemnitz: Institut für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme, Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb

Ansprechpartner

Martin Folz
+49 (0) 371/531 38790
martin.folz@betrieb-machen.de